Beim traditionellen Empfang des Hessischen Bauernverbands (HBV) kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um über die aktuellen Herausforderungen der Branche zu sprechen. | Alle Fotos: Martin Engel
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Für Dialog und regionale Landwirtschaft
HBV-Empfang und traditionelles Wettmelken um den "Goldenen Melkschemel"
Der Hessentag in Fulda bietet in diesem Jahr erneut eine große Bühne für die hessische Landwirtschaft. Beim traditionellen Empfang des Hessischen Bauernverbands (HBV) kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft zusammen, um über die aktuellen Herausforderungen der Branche zu sprechen. Gleichzeitig lädt die Landesvereinigung Milch Hessen mit zahlreichen Aktionen rund um die Milchproduktion zum Mitmachen und Informieren ein.
Im Mittelpunkt des HBV-Empfangs standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die landwirtschaftlichen Betriebe. HBV-Präsident Karsten Schmal machte deutlich, dass viele Höfe derzeit unter erheblichem Druck stehen. "Viele landwirtschaftliche Betriebe stehen wirtschaftlich stark unter Druck. Steigende Kosten, unsichere Rahmenbedingungen und hohe Anforderungen prägen den Alltag auf den Höfen", sagte Schmal. Besonders arbeitsintensive Bereiche wie Obst-, Gemüse- und Weinbau seien von steigenden Lohnkosten betroffen. Hinzu kämen hohe Ausgaben für Betriebsmittel wie Dünger und Diesel.
Tierhaltung bleibt zentrale Säule in Osthessen
Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung.
HBV-Präsident Karsten Schmal.
Gerade in Osthessen spiele zudem die Tierhaltung eine zentrale Rolle. "Viele Landwirtinnen und Landwirte stehen vor der Herausforderung, ihre Ställe an gestiegene gesellschaftliche Erwartungen und neue gesetzliche Vorgaben anzupassen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig zu bleiben", betonte Schmal. Der Erhalt der Tierhaltung sei eine wichtige Voraussetzung für regionale Wertschöpfung, lebendige ländliche Räume und eine sichere Versorgung.
Regionale Landwirtschaft als Stärke
Die Landwirtschaft prägt die Region Fulda und sorgt für kurze Wege sowie eine verlässliche Versorgung mit Lebensmitteln. "Das ist eine ganz starke Boom-Region, was Landwirtschaft angeht, hier rund um Fulda herum", sagte der HBV-Präsident im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Besonders in Zeiten globaler Krisen sei die regionale Erzeugung von Lebensmitteln von großer Bedeutung: "Umso wichtiger ist es, dass wir Lebensmittel vor Ort produzieren können."
Als große Herausforderung nannte Schmal die zunehmende Bürokratie. "Zu viel Bürokratie, zu viel Regulierung - das alles nimmt Zeit den Betriebsleitern weg", betonte er. Die Landwirtinnen und Landwirte würden ihre Zeit lieber in Stall und Feld investieren: "Sie würden lieber im Stall und auf dem Acker verbringen und sitzen zu viel im Büro. Das muss sich ändern." Der Hessentag sei deshalb eine gute Gelegenheit, die Landwirtschaft der Region und ihre Leistungen sichtbar zu machen.
Minister Jung kündigt Unterstützung an
Hessens Landwirtschaftsminister Ingmar Jung würdigte beim Empfang die Arbeit des Kreisbauernverbands Fulda sowie die Zusammenarbeit mit dem Bauernverband. Trotz unterschiedlicher Positionen in einzelnen Fragen verfolge man gemeinsame Ziele. "Gerade gestern bei unserem Dialog-Format ,Landwirtschaft im Gespräch" haben wir wieder gemerkt, wie ein konstruktiver Austausch aussieht", sagte Jung.
Zugleich kündigte der Minister Fortschritte bei der Unterstützung von Mehrgefahrenversicherungen an. "Wir werden das Thema Mehrgefahrenversicherung in den nächsten Haushaltsverhandlungen so aufstellen, dass wir Ihnen da ein vernünftiges Angebot machen können. Wir müssen es hinbekommen, dass wir Ihnen als Staat die Möglichkeit geben, eine wirtschaftlich sinnvolle Entscheidung zu treffen, ob Sie sich versichern oder nicht. Der Aufwand lohnt sich auf Dauer."
Dialog mit Verbraucherinnen und Verbrauchern
Der Hessentag sei für die Landwirtschaft nicht nur eine politische Plattform, sondern auch eine wichtige Gelegenheit für den direkten Austausch mit Verbraucherinnen und Verbrauchern, erklärte Schmal. Mit dem Format "Frag den Landwirt" beteiligt sich der Bauernverband an der Sonderschau "Der Natur auf der Spur". "Nur im direkten Dialog lassen sich Vorbehalte in der Gesellschaft abbauen und gemeinsame Lösungen entwickeln", sagte Schmal. "Wir zeigen auf dem Hessentag, wofür unsere Branche steht: Innovationskraft, verantwortungsvolles Wirtschaften und unternehmerisches Denken."
Wettmelken um den "Goldenen Melkschemel"
Passend dazu präsentiert sich auch die Landesvereinigung Milch Hessen auf dem Ausstellungsgelände. Ein besonderer Höhepunkt ist das traditionelle Wettmelken um den "Goldenen Melkschemel". Dabei treten prominente Gäste an der Holzkuh "Hessica" gegeneinander an und messen sich im Melken am Gummieuter. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehören unter anderem das Hessentagspaar Vera und Max Dudyka, die Hessische Milchkönigin Hanna I., Staatssekretär Michael Ruhl, Bürgermeister Dag Wehner, Landtagsabgeordnete Wiebke Knell sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft und Ehrenamt.
Obwohl das Wettmelken mit einem Augenzwinkern veranstaltet wird, vermittelt es den Besucherinnen und Besuchern zugleich einen Eindruck davon, wie viel Geschick und Ausdauer hinter der täglichen Arbeit auf den Milchviehbetrieben steckt. Darüber hinaus informiert die Landesvereinigung Milch Hessen während des gesamten Hessentags über moderne Milcherzeugung, regionale Milchprodukte und die Hessische Milch- und Käsestraße. Besucherinnen und Besucher können selbst das Melken ausprobieren, Fragen zur Haltung und Fütterung von Kühen stellen oder sich über regionale Vermarktungswege informieren.
Auch auf der "Gutes aus Hessen"-Bühne ist die Milchwirtschaft vertreten. Dort präsentiert die Hessische Milchkönigin Hanna I. die traditionelle Herstellung von Kochkäse und lädt zu Verkostungen regionaler Spezialitäten ein. Mit Informationsangeboten, Mitmachaktionen und dem direkten Austausch mit den Menschen zeigt die Landwirtschaft auf dem Hessentag in Fulda einmal mehr ihre Vielfalt und ihre Bedeutung für Hessen. (ms/pm) +++
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