Religiös prägend
Anja Listmann hat eine sehr kluge Auswahl getroffen. Unter den vorgestellten Personen sind Frauen, Männer und Kinder. Manche hatten eine bedeutende Stellung in der Jüdische Gemeinde, andere nicht. Kaufleute und Lehrer, Ärzte und Unternehmer sind darunter, natürlich auch Ehefrauen und Mütter, die vielfach ihre Männer in deren Geschäften unterstützten. So gelingt es der Ausstellung, einen Querschnitt durch das reiche und vielfältige jüdische Leben Fuldas zu zeigen.
Am Stand Anja Listmanns an der Stadtpfarrkirche interessieren sich vie…

Während Anja Listmann die Führung macht, betreut André König (Leiter V…

Rabbiner Michael Kahn prägte mehr als 40 Jahre das religiöse Leben Ful…
Ein prekäres Leben
Ganz in der Nähe steht die Silhouette von Anna Berkowicz. Sie war aus Polen gebürtig, eine sog. Ostjüdin, "und nein, sie hatte kein schönes Leben", erzählt Anja Listmann. Ostjuden unterschieden sich kulturell deutlich von den sog. Westjuden, also den Juden, die seit Jahrhunderten in Deutschland und anderen westlichen Ländern lebten. Meist sprachen sie nur jiddisch, waren arm und lebten streng religiös. Und wie das so ist, auch unter jüdischen Mitmenschen gab es Ausgrenzung. Westjuden hatten in der Regel gegenüber den Ostjuden Vorurteile. Die Westjuden waren wirtschaftlich sehr viel bessergestellt und sie waren assimiliert. Meist blieb man unter sich.

Am Stockhaus schützt das Band der Erinnerung den Platz, an dem einst d…


Anna Berkowicz, polnischstämmige Hausangestellte.

Iwan Möller arbeitete 19 Jahre als Pädagoge in Fulda.

Dilla Feldmann kümmerte sich liebevoll um alte Menschen.
Lehren und Helfen
Die Geschichte Iwan Möllers ist die eines typischen Westjuden. 19 Jahre arbeitete der gebürtige Hamburger als Lehrer an der jüdischen Schule in Fulda. Seine Silhouette steht unweit der heutigen jüdischen Gemeinde an der von-Schildeck-Straße – und sollte eigentlich auch in Richtung Schule schauen. Leider kümmern sich die Leute auf der Baustelle daneben wenig darum und verstellen die Figur immer wieder. Möller muss ein exzellenter Pädagoge gewesen sein, und er hatte ein interessantes Hobby: Er stellte Wimpel her, Textilstreifen, mit denen die wertvollen Thorarollen geschützt werden. Sein Sohn Ernst Jakob führte diese Tradition weiter.
In diesem Gebäude befand sich einst das Jüdische Altenheim – hier arbe…

Dr. Abraham Trepp steht in der Schlachthausgasse – wenige Meter die Ga…

Dr. Abraham Trepp ist ein Verwandter Dillas, er war auf Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde spezialisiert. Im Ersten Weltkrieg diente er im Lazarett Fulda und erhielt für seine Verdienste das Eiserne Kreuz. Seine Silhouette steht Am Doll, kurz bevor es in die Schlachthausgasse hineingeht. Dort nämlich war früher ein jüdisches Hospital. Trepp schaut hinüber zu Regina Eschwege – sie steht für die vielen, die ihre Heimat durch Deportation verloren.
Arm und reich
Am Gedenkort Alter Jüdischer Friedhof steht die Silhouette von Reginas Mann Gabriel Eschwege. Auch er zählt zu den Nachfahren des Arztes Lipmann Trepp. Er steht hier am ehemaligen Friedhof, weil mehr als 100 seiner Vorfahren hier beerdigt wurden – die Familie war mehr als 500 Jahre in Fulda ansässig. Wie Abraham Trepp kämpfte auch Gabriel Eschwege im Ersten Weltkrieg. Er war ein erfolgreicher Unternehmer und führte ein Geschäft für Maschinen und Werkzeuge.
Am Gedenkort Alter Jüdischer Friedhof steht die Silhouette Gabriel Esc…


Neben ihm steht Lina Flörsheim. Mit 27 Jahren wurde für sie eine Ehe arrangiert – aber glücklicherweise verliebten sich Lina und Julius ineinander und heirateten 1908. Sie führten gemeinsam ein Geschäft für Manufakturwaren. Als Julius im Ersten Weltkrieg fiel, versuchte Lina, das Geschäft weiterzuführen, musste es aber 1920 verkaufen. Sie schlug sich die nächsten Jahre mehr schlecht als recht durch. Eine ihrer Enkelinnen ist Ofra Givon, die – wie auch Michael Braunold und Ethan Bensinger – regelmäßig nach Fulda kommt und sich unglaublich darüber freut, ihre Großmutter unter den Silhouetten zu finden.
Zerbrechliche Kindheit
Ecke Heinrichstraße/Bahnhofstraße stehen schließlich die Geschwister Eva und Adolf Lehmann. Sie lebten in einer Erdgeschosswohnung in der Heinrichstraße 15. Direkt gegenüber war in der NS-Zeit die Gestapo-Außenstelle. Man mag sich gar nicht vorstellen, was die Kinder empfanden, wenn sie dort vorbeigingen. Eva und Adolf gelangten durch einen Kindertransport zunächst nach Belgien. Als dort 1940 die Deutschen einmarschierten, wurden beide nach Fulda zurückgebracht und 1941 in die Todeslager deportiert.
Hermann Jacobsen und Lina Flörsheim.


Adolf und Eva Lehmann – zuerst gerettet, dann doch deportiert.
Neues Leben in der Fremde
Auf dem Bahnhofvorplatz schließlich steht die Silhouette Isfried Goldschmidts. Sein Vater Aaron war Viehhändler – der jüdische Viehmarkt war am Heinrich-von-Bibra-Platz. Isfried machte sich mit einem Großhandel für Leder und Maschinen selbständig. Sein Herz aber gehörte dem Sport. Als 1933 Juden aus den deutschen Sportvereinen ausgeschlossen wurden, gründete er in Fulda Bar Kochba, einen jüdischen Turn- und Sportclub, man spielte in der Liga Maccabi West. Isfried erhielt 1934 ein Visum für die USA und konnte ausreisen. Er wurde amerikanischer Staatsbürger und konnte so seine Eltern in die USA holen.
Isfried Goldschmidt, Sportskanone aus Fulda.




































































