Tobias Sammet ist einer der erfolgreichsten deutschen Rockmusiker – mit Avantasia hat der Fuldaer schon gemeinsam mit Legenden wie Alice Cooper und Kiss auf den größten Bühnen der Welt gespielt. Jetzt kehrt er im Rahmen des Hessentages, am 16. Juni um 20 Uhr, auf den Fuldaer Domplatz zurück. Im Interview spricht Sammet über die besondere Magie des Heimspiels, warum ihm der Landkreis Fulda trotz Weltruhm am Herzen liegt – und was ihn nach über 25 Jahren noch immer antreibt.
Was steht bei dir gerade an? Woran arbeitest du derzeit?
"Jetzt gerade bereite ich mich auf die Sommerkonzerte mit Avantasia vor, da gibt es viel zu tun, die Pyro-Show oder die Bühnenproduktion durchplanen. Dann kommt natürlich die leidige Proberei, auf die ich wirklich gar keine Lust habe, weil ich Bandproben hasse. Gestern Abend habe ich an einem neuen Stück rumgebastelt, das vermutlich irgendwann auf dem nächsten Avantasia-Album stehen wird."
Was steht bei dir gerade an? Woran arbeitest du derzeit?
"Jetzt gerade bereite ich mich auf die Sommerkonzerte mit Avantasia vor, da gibt es viel zu tun, die Pyro-Show oder die Bühnenproduktion durchplanen. Dann kommt natürlich die leidige Proberei, auf die ich wirklich gar keine Lust habe, weil ich Bandproben hasse. Gestern Abend habe ich an einem neuen Stück rumgebastelt, das vermutlich irgendwann auf dem nächsten Avantasia-Album stehen wird."

"Wenn man dann auf den Domplatz kommt, wird man demütig. Das ist meine…
In wenigen Tagen stehst du wieder auf der Domplatz-Bühne: Wie groß ist die Vorfreude auf das Mega-Konzert in der Heimat?
"Sehr groß. Weißt Du, ich hatte bei unserer letzten Show auf dem Domplatz 2022 im Vorfeld gedacht: klar, das ist schön und wichtig, aber Japan, Wacken und Brasilien sind auch schön und wichtig." Ich hatte irgendwie ein bisschen unterschätzt, dass es doch anders ist. Wenn man dann auf den Domplatz kommt, wird man demütig. Das ist meine Heimat. Man wird sich bewusst, welche Dimension das hat und wie viel Freundschaftlichkeit und alte Verbundenheit uns von der Stadt und den Leuten entgegengebracht werden. Das ist ein immenser Vertrauensvorschuss, sowas verpflichtet. Wenn ich in Tokio Mist verzapfe, dann jagen die mich vom Hof und dann fliege ich heim. Hier zuhause wäre das schlecht, hier will ich nicht verjagt werden, haha. Naja, und dann denkt man daran, wie das alles anfing. Man trifft hinter der Bühne so viele alte Bekannte von der Technik, die ich noch aus meinen Anfangsjahren kenne. Der Grundstein für meine Karriere wurde zwischen Magdlos, Poppenhausen und der Ochsenwiese gelegt. Ich weiß, wo ich herkomme, und ich bin mir darüber im Klaren, wie verrückt es ist, wohin das geführt hat. Auf Welttour zu gehen ist super, aber es ist auch schön, die Welttour quasi ins eigene Wohnzimmer zu holen.
Das Konzert findet ja im Rahmen des Hessentages statt. Hast du persönlich eine Verbindung zum Hessentag?
"Nicht wirklich. Wir haben mit Edguy vor vielen Jahren mal zusammen mit Bryan Adams in Bensheim auf dem Hessentag gespielt. Und als wir mit Aerosmith auf Tour waren, war ein Konzert, glaube ich, auch auf irgendeinem Hessentag. Das war's dann schon mit meinen Erfahrungen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich privat dem Hessentag z. B. in Oberursel entgegenfiebere; wobei ich da Oberursel nicht zu nahe treten will."
Was schätzt du als Hesse besonders an deiner Heimat?
"Naja, ich bin jetzt nicht so ein Patriot, dass ich mir die Hessenflagge tätowieren lassen würde, haha. Ich bin auch keiner dieser Menschen, die ganz aufgeregt Lichthupe machen, wenn einem im Zillertal einer mit FD-Kennzeichen entgegenkommt. Das machen wir Fuldaer ja gerne mal, das kenne ich noch aus dem Urlaub als Kind. Bei 220.000 Leuten im Landkreis soll es schon mal vorkommen können, dass sich auch noch ein Zweiter von uns im Sommer nach Österreich verirrt. Aber mal ernsthaft: Meine Heimat hat mich geprägt und liegt mir am Herzen. Im Kreis Fulda ist alles so schön unaufgeregt, vielleicht gehen hier die Uhren sogar etwas langsamer. Aber mein Bedarf an Stress, Lärm und 'verrückte Welt' wird auf Tour völlig gedeckt. Und trotzdem sind wir hier ja irgendwie das geografische Zentrum Europas."

"Es wird eine Show, die die Zuschauer für zweieinhalb Stunden in eine…

"Der Grundstein für meine Karriere wurde zwischen Magdlos, Poppenhause…

Beim Konzert 2022 kamen tausende Fans auf den Domplatz
Was erwartet die Fans auf dem Domplatz? Was wird vielleicht auch anders sein als beim letzten Domplatz-Konzert?
"Wir werden diesmal unsere echte Bühnenproduktion haben, also die komplette Show auffahren. Das letzte Mal Domplatz mit Avantasia war ja irgendwie noch ein Provisorium, wegen der ganzen Pandemie-Situation. Da waren wir froh, einfach wieder irgendwie auf einer Bühne stehen zu können. Dieses Mal wird alles so, wie es sein soll: eine große Produktion, eine Show, die die Zuschauer für zweieinhalb Stunden in eine komplett andere Welt ziehen soll. Das wird ein ganz anderer Schnack als letztes Mal."
Die Sommer-Shows sind die letzten Konzerte vor einer angekündigten Pause. Wie wird die Pause aussehen? Oder wird aus der Pause vielleicht auch ein Ende, wie bei Edguy?
"Nee, ein Ende ist das natürlich nicht. Dazu mach' ich das ja viel zu gerne. Aber man muss die Kreativität aufladen, Ideen sammeln und Avantasia auch mal eine Auszeit von der Bühne gönnen. Irgendwann hat jeder Fan die Show gesehen, dann zieht man sich erstmal zurück. Wir haben 2023 eine Welttour gemacht, 2024 Europa bespielt, letztes Jahr wieder Europa, Lateinamerika und Japan betourt. Und dieses Jahr spielen wir nochmal ein paar Festivals in Europa. Ich will nicht, dass die Fans irgendwann sagen: "Ach, die schon wieder". Aufhören werde ich definitiv nicht, denn mir macht es viel zu viel Spaß, Avantasia-Alben zu produzieren und vor allem zu komponieren. Und das werde ich erstmal tun, bevor wir Avantasia dann in einer neuen Variante wieder auf die Bühne bringen."

Apropos Edguy, gibt's hier etwas Neues? Comebacks sind ja derzeit voll im Trend (z.b bei Oasis, Unheilig oder das Live-Comeback von AC/DC).
"Sag niemals nie! Wie Niko Kovac schon sagte: Stand jetzt mache ich Avantasia. Naja, ganz so hat Niko Kovac das nicht gesagt. Aber zurück zum Thema: wenn wir nochmal was machen, dann werden wir die Fans und Euch natürlich informieren."
Avantasia ist seit über 25 Jahren eine feste Größe im Metal-Kosmos – was treibt dich nach all den Jahren noch an?
"Ich kann ja sonst nix, haha. Im Ernst, ich habe einen absoluten Traumberuf. Mir ist das Ausleben meiner Kreativität das absolut Wichtigste. Wenn mir was total auf den Keks geht, Glück, Trauer, Schmerz - ich kann das alles in meine Musik stecken, es schön verpacken, und dann ist das raus aus dem Kopf. Außerdem darf ich mit meinen Kindheits-Idolen Konzerte spielen, Alben aufnehmen und um die Welt fliegen; immer von lustigen Menschen umgeben. Wir lachen an einem Tag mehr als andere in einem Jahr. Du musst dir vorstellen, das ist wie Klassenfahrt, das sind alles 15-Jährige, die nur äußerlich an Erwachsene erinnern. Und dementsprechend ist auch der Humor. Das zu erhalten und neue Alben und Rockopern zu erschaffen, die mich selbst berühren, ist mein Antrieb."



Welche Projekte stehen in der Zukunft noch auf deiner musikalischen Wunschliste?
"Ich habe nicht so eine Liste zum Abhaken und im Grunde durfte ich so viel erleben, dass ich mir doof vorkäme, da noch Ansprüche zu stellen. Da gab es Nummer-Einsen, Goldene Schallplatten, Alice Cooper bei Avantasia... das ist doch verrückt. Vor drei Jahren bekam ich dann einen Anruf, dass Avantasia im Stadion von Buenos Aires mit Kiss spielen sollen. Das war trotz vorangegangener Erfolge für mich als Kiss-Fan rein persönlich vielleicht das Überwältigendste, was mir bis dato passiert war. Da stand ich dann auf der Bühne und sah Fans im Kiss-Make-up, die die Avantasia-Songs mitgesungen hatten, und ich war direkt wieder 17 Jahre alt. Ich dachte: na das ist jetzt aber ein Ding! Hätte ich mir das vor dreißig Jahren laut gewünscht oder auch nur geträumt, hätte ich mich selbst für verrückt erklärt. Deswegen wünsche und plane ich lieber nicht so laut. Ich lasse die Dinge einfach auf mich zukommen."

Zum Abschluss: Wenn du nicht gerade mit der Musik beschäftigt bist, wie kann man sich dein derzeitiges Leben so vorstellen?
"Ziemlich unspannend, deswegen mache ich wahrscheinlich meistens Musik. Ich gucke mal Fußball oder laufe durch den Wald. Aber selbst da halte ich Songideen auf meinem Telefon fest, weshalb Spaziergänger dann manchmal komisch gucken. Viele sagen mir, man muss auch mal abschalten können, aber ich habe noch nicht so genau herausgefunden, warum und vorallem wie. Selbst im Urlaub telefoniere ich jeden Tag mit Leuten aus meinem musikalischen Umfeld oder baue meinen Aufnahmekram im Hotelzimmer auf. Man kommt da einfach nicht raus aus der Nummer." (Moritz Pappert) +++





















































