Welche Bedeutung hat der Hessentag für die hessische Identität – und ist das traditionsreiche Landesfest heute noch zeitgemäß? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Mittwochabend ein Akademieabend der Katholischen Akademie des Bistums Fulda im Bonifatiushaus. | Fotos: Moritz Bindewald
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Von der Identität zur Unterhaltung
Akademieabend diskutiert: Wie zeitgemäß ist der Hessentag noch?
Welche Bedeutung hat der Hessentag für die hessische Identität – und ist das traditionsreiche Landesfest heute noch zeitgemäß? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Mittwochabend ein Akademieabend der Katholischen Akademie des Bistums Fulda im Bonifatiushaus.
Den Impulsvortrag hielt Prof. Dr. Sabine Mecking, Historikerin am Institut für Hessische Landesgeschichte der Philipps-Universität Marburg. Sie zeichnete die Entwicklung des Hessentags nach und ordnete seine Rolle für das Selbstverständnis des Landes ein. Von Beginn an sei der Hessentag als Mitmach-Veranstaltung angelegt gewesen. "Es gab keine passiven Zuschauer, sondern Teilnehmende", sagte Mecking.
Dr. Sebastian Koch von der Katholischen Akademie
Prof. Dr. Sabine Mecking, Historikerin am Institut für Hessische Landesgeschichte der Philipps-Universität Marburg
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierte sie mit Dr. Albert Post (rechts), dem langjährigen Vorsitzenden des Kulturausschusses der Stadt Fulda. Moderiert wurde die Runde von Ralf Euler (mittig) von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Über viele Jahre habe der Hessentag eine große Strahlkraft besessen. Nach Meckings Angaben besuchten jeweils acht bis neun Prozent der Bevölkerung das Landesfest. Ein bewusst aktuell gehaltener Programmablauf mit zeitgenössischen Themen habe dazu beigetragen, die Veranstaltung attraktiv zu halten. Ziel sei es gewesen, nicht nur Traditionen zu pflegen, sondern auch Gegenwart aufzugreifen und Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen.
"Der Hessentag sollte nahbar sein"
Ein weiterer wichtiger Aspekt sei die Nähe zwischen Politik und Bevölkerung gewesen. Das Land habe sich bewusst vor Ort gezeigt, auch durch die Präsenz des Ministerpräsidenten. "Der Hessentag sollte nahbar sein", so Mecking. Selbst wer nicht persönlich teilgenommen habe, sei über die Medien mit dem Ereignis in Berührung gekommen.
Hin zur "großen Unterhaltungsshow"
Im Laufe der Jahre habe sich der Charakter des Hessentags jedoch verändert. Er habe sich zunehmend zu einer großen Unterhaltungsshow entwickelt. Damit stelle sich regelmäßig die Frage, ob ein mit Steuergeldern finanzierter Hessentag in dieser Form noch zeitgemäß sei. Diese Bewertung sei jedoch, so Mecking, "höchst subjektiv".
Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierte sie mit Dr. Albert Post, dem langjährigen Vorsitzenden des Kulturausschusses der Stadt Fulda. Moderiert wurde die Runde von Ralf Euler von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Auch das Publikum brachte sich mit Fragen und Anmerkungen in die Diskussion ein. (mmb) +++
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